{"id":774,"date":"2009-12-01T23:53:42","date_gmt":"2009-12-01T21:53:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.audiobuch.org\/caulius\/wp\/?p=774"},"modified":"2009-12-01T23:54:41","modified_gmt":"2009-12-01T21:54:41","slug":"kielpod-ausgabe-603-harro-schulze-boysen-weg-eingeweiht","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.kielpod.de\/wp\/?p=774","title":{"rendered":"KielPod Ausgabe 603: Harro-Schulze-Boysen-Weg eingeweiht"},"content":{"rendered":"<p>Ende vergangener Woche wurde der Harro-Schulze-Boysen-Weg mit einigen ironischen Untert\u00f6nen in Kiel eingeweiht. Er verbindet die Koldingstra\u00dfe mit der Feldstra\u00dfe durch den Pastor-Husfeldt-Park.<\/p>\n<p>Schulze-Boysen wurde am 02. September 1909 in einem Haus Ecke D\u00fcppelstra\u00dfe\/Feldstra\u00dfe in Kiel geboren. Eine Gedenktafel, allerdings nur im Innern des Geb\u00e4udes, erinnert heute noch an dieses Ereignis.<br \/>\n<!--more-->Sein Gro\u00dfonkel war Ferdinand T\u00f6nnies und er war Gro\u00dfneffe von Admiral Tirpitz. Seine Jugend verbrachte er in Duisburg, wo er sein Abitur insbesondere Dank seines guten Ausdrucks in schriftlichen Arbeiten als einer der besten des Jahrgangs abschloss. Schon damals lehnte er den Nationalsozialismus ab, was sich auch in Aufs\u00e4tzen etwa f\u00fcr Sch\u00fclerzeitungen zeigte. Er studierte Rechtswissenschaft an den Universit\u00e4ten Freiburg (1928\/1929) und Berlin (1929-1931), ohne jedoch einen Abschluss zu machen. In Frankreich kam er im Folgenden mit sozialistischen Ideen in Ber\u00fchrung und entwickelte ein Interesse an der Sowjetunion. Schon mit 23 Jahren brachte er seine eigene Publikation heraus (\u201eDer Gegner&#8220;). Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurden die Redaktionsr\u00e4ume des \u201eGegner&#8220; 1933 von SS-Schl\u00e4gern zerst\u00f6rt, die Redaktionsmitglieder wurden in ein \u201ewildes KZ&#8220; verschleppt, Schulze-Boysen wurde mittels Peitschenhieben misshandelt und mehrere Tage lang festgehalten. Die Nazi-Schl\u00e4gertrupps ermordeten dabei vor seinen Augen seinen Freund und Mitstreiter Henry Erlanger, der Jude war.<br \/>\nSchulze-Boysen wurde Dank seiner Mutter jedoch rechtzeitig durch die Polizei befreit.<\/p>\n<p>In der Folgezeit lernte er das Fliegen in Warnem\u00fcnde und bekam eine Anstellung im Reichsluftfahrtministerium. Erste Ver\u00f6ffentlichungen erschienen wieder. 1936 heiratet er Libertas Haas-Heye. Dank ihres Einflusses auf Hermann G\u00f6ring wurde Schulze-Boysen z\u00fcgig trotz seiner Vergangenheit bef\u00f6rdert. Parallel hierzu bildete sich um seine Person eine Gruppe zum Meinungsaustausch, wobei dessen Zusammenk\u00fcnfte mehr und mehr zu konspirativen Treffen wurden. Flugbl\u00e4tter wurden gedruckt und verteilt. Allerdings zeigte sich die Naivit\u00e4t dieser Gruppe auch darin,<br \/>\ndass sie vermeintlich geheime Informationen den Russen zuspielen wollten, indem sie dieses Material in einen Briefkasten der Russischen Handelsvertretung warfen und eine Vertreterin der Gruppe dabei<br \/>\naufgegriffen wurde.<\/p>\n<p>Schulze-Boysen selber nutzte seine T\u00e4tigkeit beim Ministerium (die Erstellung von Presse\u00fcbersichten) dazu, mit diesen Informationen auch die T\u00e4tigkeit der konspirativen Gruppe zu unterst\u00fctzen. So kam es dann auch 1941 zu einem ersten Treffen mit Vertretern aus Moskau. Jedoch weigerte sich Schulze-Boysen, Dokumente zu verschaffen. Allerdings wurde die Gruppe in die Bedienung von Funkger\u00e4ten eingewiesen, um dar\u00fcber Informationen zu \u00fcbermitteln. Zu mehr, als dem Probefunkspruch \u201e1000 Gr\u00fc\u00dfe an unsere Freunde&#8220; kam es jedoch nicht, da beide zur Verf\u00fcgung gestellten Ger\u00e4te insbesondere auch wegen mangelnder technischer Kenntnisse (u. a. wurden Gleichstrom und Wechselstrom verwechselt) danach kaputt gingen. Auch zeigt die Nachschau, dass die Informationen, die an die Russen dann m\u00fcndlich weitergegeben wurden, entweder falsch oder zumindest unvollst\u00e4ndig waren, und damit keinen Wert hatten.<\/p>\n<p>Dennoch kam es am 26.08.1941 zu einem folgenschweren Funkspruch der Russen an einen Kontaktmann, in dem die weitere Kontaktaufnahme zu der Gruppe angeregt wurde und insbesondere der Name Schulze-Boysen und sogar seine Adresse genannt wurden. Zwar war der Funkspruch kodiert. Doch 1942 konnte der Funkspruch durch die Folterung eines aufgegriffenen Funkers geknackt werden. Die Fahndungsgruppe \u201eRote Kapelle&#8220; hatte damit ein leichtes Spiel, die gesamte Gruppe am 31.08.1942 festzunehmen. Hinzu kamen<br \/>\neingeschleuste Spitzel ins Gef\u00e4ngnis, die durch die Erschleichung von Vertrauen weitere Namen von Sympathisanten der Gruppe herausbekamen.<\/p>\n<p>Da es sich vor allem um Mitarbeiter der Verwaltung, aber auch andere angesehene Pers\u00f6nlichkeiten handelte, machte G\u00f6ring die Angelegenheit zur geheimen Komandosache. An Schulze-Boysen wollte er pers\u00f6nlich Rache nehmen. Im Gerichtsverfahren ging es dann ausschlie\u00dflich um den Verrat der Gruppe und nicht um die Flugbl\u00e4tter. Die meisten Angeklagten wurden zum Tode verurteilt. Schulze-Boysen wurde am 21.12.1942 erh\u00e4ngt.<\/p>\n<p>Nach dem Krieg wurde Schulze-Boysen insbesondere in der DDR geehrt und sogar mit einer Sonderbriefmarke bedacht. Im Westen war dieses zun\u00e4chst nicht der Fall.<\/p>\n<div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_8907\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-774-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.audiobuch.org\/caulius\/assets\/podcasts\/kielpod603.mp3?_=1\" \/><a href=\"http:\/\/www.audiobuch.org\/caulius\/assets\/podcasts\/kielpod603.mp3\">http:\/\/www.audiobuch.org\/caulius\/assets\/podcasts\/kielpod603.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\" style=\"margin-bottom: 1px !important;\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.audiobuch.org\/caulius\/assets\/podcasts\/kielpod603.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('http:\/\/www.kielpod.de\/wp\/?powerpress_pinw=774-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.audiobuch.org\/caulius\/assets\/podcasts\/kielpod603.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"kielpod603.mp3\">Download<\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ende vergangener Woche wurde der Harro-Schulze-Boysen-Weg mit einigen ironischen Untert\u00f6nen in Kiel eingeweiht. 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